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Kultur und Schule 14.02.18.pdf
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Interview mit dem ehemaligen Schulleiter Burkhard Hoischen                                        am 27.10.2016 für die Westfalenpost

Foto und Interview: Kathrin Clemens WP

 

 

Burkhard Hoischen geht nach 25 Jahren an der Bödefelder Grundschule in den Ruhestand – im Interview verrät er, warum er oft für die Schule kämpfen musste und wie er deren Zukunft sieht.

Ein Vierteljahrhundert lang hat Burkhard Hoischen die Gemeinschafts-Grundschule Bödefeld geleitet, nun wird er kurz vor seinem 65. Geburtstag offiziell verabschiedet. An seinem alten Arbeitsplatz spricht er über Jahre mit lernfreudigen Kindern, gestiegenen Anforderungen an den Lehrerberuf und ein in erster Linie weibliches Kollegium.

Ihre offizielle Verabschiedung als Schulleiter steht an – mit welchem Gefühl gehen Sie?

Burkhard Hoischen: Mit einem zufriedenen. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich in Bödefeld eine erfolgreiche Zeit verbracht habe. Ich bin zufrieden mit dem, was ich in 25 Jahren erlebt und geleistet habe – und froh, dass ich immer ein Team um mich hatte, das in Transparenz, Harmonie und mit großem Engagement zum Wohle der Kinder zusammengearbeitet hat.

Es war wirklich immer so harmonisch?

Bis auf wenige Ausnahmen: Ja – hier hatte ich ein Umfeld, das die Idee unserer Schule zu schätzen wusste. Die Kinder kommen pfeifend und rennend zur Schule, die Kollegen fühlen sich wohl. Schulrat Schwermer sagte mal zu mir: Herr Hoischen, wie kommt es eigentlich, dass Kollegen weinen, wenn sie hören, dass sie nach Bödefeld versetzt werden und auch weinen, wenn sie wieder weggehen müssen? Ich glaube, das beschreibt es ganz gut.

Die Kollegen sind meist Kolleginnen – wie viele männliche Lehrer gab es in den 25 Jahren?

Drei. Ansonsten war ich immer nur von Frauen umgeben.

Ist das aus pädagogischer Sicht ein Problem?

Ein Problem würde ich es nicht nennen. Aber es wäre wünschenswert, wenn die Kinder auch frühzeitig Männer als Bezugsperson erleben. Vielen fällt die Umstellung erstmal schwer, wenn sie in Kindergarten und Grundschule jahrelang nur Frauen erlebt haben.

Wie würden Sie Ihren eigenen pädagogischen Stil beschreiben?

Ich habe als Schulleiter immer versucht, die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Kinder an erste Stelle zu setzen. Während meiner Zeit gab es die unterschiedlichsten Reformen, Gesetze, Erlasse und Programme. Das Wohlergehen und die individuelle Förderung der Kinder hier vor Ort war für mich aber immer vorrangig.

Wie hat sich der Lehrerberuf aus Ihrer Sicht verändert?

Die Anforderungen sind sicherlich gestiegen, vor allem der bürokratische Aufwand. Wir müssen sehr viel dokumentieren, für alles und jedes muss ein Konzept geschrieben werden. Um dann die Balance zwischen Bürokratie und eigentlicher pädagogischer Arbeit halten zu können, hat uns sicherlich eine ausgewogene Kollegialität geholfen und auch die Sozialstruktur in den Orten, aus denen unsere Kinder kommen.

Arbeiten die Lehrer hier in einer Idylle, die es anderswo kaum noch gibt?

Die Herausforderung an die Kollegen ist hier auf dem Dorf sicherlich anders ausgeprägt als in sozialen Brennpunkten in Ballungszentren. Davon profitieren letztlich die Schüler. Je weniger sich ein Lehrer damit befassen muss, dass wieder einmal ein Teil der Schüler ohne Frühstück, passende Arbeitsmaterialien, zu spät oder unausgeschlafen zum Unterricht kommt, desto mehr Freiraum ist da, um die Kinder noch individueller und intensiver fördern und fordern zu können. Wir bekommen immer wieder von den weiterführenden Schulen gespiegelt, dass sich die Bödefelder Kinder schnell und gut dort einfinden. Wenn Zeit dafür übrig ist und die Kinder bereit dazu sind, konfrontieren wir sie auch während der Grundschulzeit schon mit Lerninhalten, die über den eigentlichen Lehrplan hinausgehen.

Welche Schwerpunkte haben Sie an der Schule noch gesetzt?

Mir war vor allem immer wichtig, in Transparenz mit den Eltern und mit den „Dörfern“ zusammenzuarbeiten. Wenn Feiern an der Schule waren, halfen die Eltern, die Produkte wurden selbstverständlich im Dorf gekauft, wenn Arbeiten anstanden, wurden Handwerksbetriebe aus dem Dorf beauftragt. Außerdem starten Sportvereine und Feuerwehr regelmäßig gemeinsame Aktionen. Ein Vorteil ist auch die Nähe zum Hallenbad – bei uns verlässt in der Regel jedes Kind die Grundschule mit dem Seepferdchen. Das gesunde Frühstück und die bewegte Pause wurden eingeführt, in der die Klassen abwechselnd sportlichen Aktivitäten nachgehen können. Ein Höhepunkt im Jahr sind immer die schuleigenen Waldspiele, deren Pate Stadtförster Siegfried Hunker ist.

Die Schülerzahlen sinken seit Jahren, auch hier gibt es nur noch vier Klassen. Wie sehen Sie die Zukunft der Schule?

Ich sehe sie vom Standort her als gesichert an. Die Schülerzahlen sind auf die kommenden Jahre gesehen stabil, vor allem weil wir vor einigen Jahren die Schüler aus dem Rarbachtal dazubekommen haben. Das hat übrigens entgegen aller Erwartungen problemlos geklappt – vor allem dank der Offenheit aller Eltern.

Welche Projekte haben nicht geklappt?

Die Grundschulen der Stadt haben versucht, ein Übergangskonzept zu den weiterführenden Schulen zu entwickeln. Das Ziel war es, einheitliche Standards an allen Grundschulen im Stadtgebiet einzuführen. Die weiterführenden Schulen hätten das sehr begrüßt, aber wir haben es leider nicht geschafft, einen Konsens unter den Grundschulleitern zu erzielen. So hat jetzt jede Grundschule weiterhin ihr eigenes Übergangskonzept.

Wie lief die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Über die Jahre hinweg durchweg positiv. Allerdings war sie zu Beginn meiner Amtszeit zufriedenstellender als in den letzten Jahren. Es war oft ein zähes Ringen um Sondermittel. Wenn es beispielsweise an den Fenstern zog, konnte es durchaus mehrere Jahre dauern, bis die Fenster dann endlich ausgetauscht wurden. Man musste immer um seine Schule kämpfen, am Ball bleiben, auffordern, erinnern.

Kämpfen müssen Sie jetzt nicht mehr – wie blicken Sie auf Ihre zukünftige freie Zeit als Pensionär?

Ich kann gut abschließen, weil ich zufrieden mit meiner Arbeit bin und die Schule auf einem guten Weg und in guten Händen weiß. Was ich sicherlich vermissen werde, ist die Arbeit mit den Kindern, die immer mit Lernfreude und Begeisterung dabei waren – und auch das gute Klima, besonders im Kollegium und der Elternschaft.